Virtual Private Network: alles über VPN

In den letzten Jahren hat die Zahl öffentlich verfügbarer Netzwerke zugenommen. Zahlreiche Geschäfte, Gastronomiebetriebe sowie viele Einrichtungen des öffentlichen Lebens stellen ihren Kunden und Besuchern einen kostenlosen Zugang zum Internet bereit. Kaum jemand macht sich bei der Benutzung Gedanken darüber, dass das eigene mobile Endgerät dann Cyber-Kriminellen Tür und Tor öffnet.

Denn in öffentlichen Netzwerken liegen sämtliche Daten offen und mit ein wenig technischem Verständnis lässt sich dann der fremde Laptop oder das Smartphone auslesen wie ein offenes Buch. Außerdem sind in den letzten Jahren vermehrt Datenpannen großer Unternehmen und Internetriesen publik geworden. Kundendaten gelangten dabei ebenfalls in die Hände windiger Unternehmen sowie krimineller Organisationen.

Angesichts dieser Aspekte suchen zunehmend mehr Internetnutzer einen sicheren und verschlüsselten Weg ins Internet, der es Kriminellen schwerer macht, an die persönlichen sensiblen Daten zu gelangen. Auch wollen viele User nicht länger „gläsernen Bürger“ sein, über den alle möglichen Online-Daten gesammelt und ausgewertet werden.

Einen sicheren und verschlüsselten Weg ins Internet stellen sogenannte Virtual Private Networks (oder kurz: VPN) dar. Um diese VPN soll es im vorliegenden Artikel gehen.

Wir erklären zunächst, worum es sich bei diesen speziellen Netzwerken genau handelt, welche Vor- und Nachteile mit der Benutzung dieser Netzwerke verbunden sind, welche Varianten es auf dem Markt gibt und wie sie sich einrichten lassen.

Welche Nachteile hat das Surfen ohne VPN?

Virtual Private Networks können Sie sich wie einen Tunnel vorstellen, durch den Sie beziehungsweise Ihre Daten durch das Internet rauschen. Sie nutzen also das Netz, sind aber, wie in einem Tunnel, abgeschirmt geschützt vor fremden Zugriffen von außen. Außerdem hinterlassen Sie keine Spuren beim Surfen durch das Web. Alle Informationen bleiben innerhalb des Tunnels.

Die VPN kann man sich also nicht nur wie einen schützenden Tunnel vorstellen, sondern sie werden auch vielfach als VPN-Tunnel bezeichnet. Doch wie kann man sich diesen Schutz genau vorstellen?

Wenn Sie unverschlüsselt surfen und eine Webseite besuchen, dann benötigt diese Seite Ihre ganz persönliche IP-Adresse, um die Anfrage zu beantworten. Sobald Sie also eine beliebige Webseite aufrufen, benötigt der zugehörige Server eine Adresse, zu der die angefragten Daten geschickt werden können. Mithilfe dieser Adresse, die aus einer längeren Zahlenfolge besteht, ist jedes Gerät auf der Welt, welches sich mit dem Internet verbindet, eindeutig identifizierbar.

Wenn Sie sich ohne VPN durch das Web bewegen, hinterlassen Sie also durch Ihre IP-Adresse Spuren. Daten, die gesammelt werden, lassen sich dann dank der IP-Adresse zusammentragen und so kann aus diesen Daten dann ein individuelles Profil erstellt werden, welches so einiges über den Inhaber der IP-Adresse, also Sie, verrät: was Sie sich ansehen, was Sie kaufen, wo Sie wohnen, was Sie interessiert, wohin Sie gehen und welchen Bildungsstandard und Beruf Sie haben.

Haben Sie sich vielleicht schon einmal gewundert, warum auf einer beliebigen Webseite plötzlich Werbung von einer anderen Webseite eingeblendet wird, die Sie sich Tage zuvor angeschaut haben? Oder warum plötzlich Ihr E-Mail-Postfach vor unangemessener und unerwünschter Werbung überquillt, obwohl Sie Ihre Mail-Adresse nur vertrauenswürdigen Anbietern mitgeteilt haben?

Das Surfen ohne sicheres VPN ist ein Grund für diese Vorkommnisse. Der Schutz Ihrer privaten Daten ist also ein Grund, VPN zu nutzen. Es gibt aber noch weiter Gründe, warum Sie ein VPN beim Surfen in jedem Fall nutzen sollten.

Welche Gründe sprechen für die Nutzung von VPN?

Wir können es nicht oft genug betonen: Bei der Nutzung eines VPN sind Ihre persönlichen Daten dank einer speziellen Verschlüsselung vor Cyber-Kriminellen geschützt! Das sollte als Argument für die Nutzung schon ausreichen. Allerdings gibt es weitere Vorteile.

VPN verschlüsseln und schützen alle Daten, die von Ihnen ins Web geschickt werden. Sie verbergen außerdem Ihre IP-Adresse und einige VPN blockieren sogar Schadsoftware und schädliche Internetseiten und schützen Sie außerdem vor nerviger Werbung und hinderlichen Pop-ups.

Vielfach werden VPN zur Umgehung des sogenannten Geoblocking genutzt. Insbesondere bei der Nutzung von Streaming-Diensten ist das der Fall. Rufen Sie einen Inhalt (etwa einen Film) auf, der vom Anbieter für Ihre Region gesperrt wurde, so wird der Inhalt blockiert. Denn der Server erkennt aufgrund Ihrer offengelegten IP-Adresse Ihre Region. Bei der Nutzung eines VPN-Tunnels ist Ihre IP-Adresse jedoch verschleiert beziehungsweise ersetzt durch die IP-Adresse des VPN. Für Deutschland gesperrte Inhalte können Sie sich somit trotzdem anschauen, sofern Sie einen VPN-Server aus dem Land benutzten, in dem die Inhalte nutzbar sind.

Auch in Zeiten, in denen die Nutzung von Firmennetzwerken im Homeoffice immer wichtiger wird, werden zunehmen VPN eingesetzt. So können Unternehmen Ihr vertrauliches Netzwerk in geschützter Weise den Mitarbeitern zur Verfügung stellen und bequem verwalten. Das wird auch von zahlreichen öffentlichen Einrichtungen, etwa Universitäten und Bildungsstätten, genutzt, um den Lernenden und sonstigen Berechtigten von überall aus einen sicheren Zugang zu Informationen zu bieten.

Doch wie funktioniert ein VPN denn jetzt genau? Das erfahren Sie im nun folgenden Abschnitt.

VPN im Detail: wie VPN genau arbeiten

Grundsätzlich gibt es zahlreiche verschiedene Anbieter, zwischen denen Sie wählen können. Wenn Sie sich beispielsweise für einen Anbieter aus den USA entscheiden, so läuft alles, was Sie künftig über das VPN dieses amerikanischen Anbieters laufen lassen, über seinen Server in den USA. Der gesamte Datenverkehr läuft also nicht mehr zwischen Ihnen und der konkreten besuchten Webseite ab, sondern wird an den Server in den USA geleitet und wird von dort aus verschlüsselt weitergeleitet.

Wenn Sie also ein VPN nutzen, so funktioniert dieses Netzwerk wie ein Vermittler zwischen Ihnen und der Zieladresse. Die Kommunikation findet auf dem VPN-Server statt, und zwar nur zwischen Server und Zieladresse. Sie selbst als Absender treten datentechnisch nicht mehr in Erscheinung. Ihre IP wird verschleiert und Ihre Anfragen werden verschlüsselt.

Für die Verschlüsselung der Daten werden sogenannte Sicherheitsprotokolle genutzt, also bestimmte Technologien und Algorithmen, nach denen Ihre Daten sozusagen umformuliert werden. Gängig sind dabei die Protokolle OpenVPN, IKEv2, PPTP, L2TP, Ipsec, SSTP, SoftEther und Wireguard.

Viele VPN nutzen gleich mehrere Sicherheitsprotokolle parallel, um einen möglichst hohen Sicherheitsstandard zu garantieren.

Um noch einmal auf die IP-Adresse zurückzukommen: Wenn Sie ein VPN nutzen, bleibt Ihre IP-Adresse absolut anonym. Denn jeglicher Datenaustausch findet nur noch zwischen dem VPN und dem Zielserver statt. Auch Ihr eigener Netzanbieter beziehungsweise der entsprechende Server weiß nicht, welche Daten zwischen Ihnen und Ihrem VPN fließen.

Nachteile bei der Nutzung von VPN

Das bereits Gesagte legt es nahe: Wir empfehlen die Nutzung von VPN jedem aus den genannten Gründen. Allerdings sollen einige Nachteile, welche die Nutzung mit sich bringen kann, nicht unerwähnt bleiben.

Zunächst kann es zu einer gebremsten Surfgeschwindigkeit kommen. Verständlich, denn Ihre Daten müssen nicht nur zu dem VPN geleitet werden, was schon länger dauern kann, als das herkömmliche Senden an den jeweils direkt angewählten Server.

Die Daten müssen per VPN auch verschlüsselt und weitergeleitet werden. Schließlich kommen Datenpakete von der Zieladresse zum Netzwerk zurück und werden dann an Sie zurückgemeldet. Dabei muss das Netzwerk die Datenpakete natürlich auch immer wieder entschlüsseln. Das alles benötigt mehr Zeit als das unverschlüsselte Surfen ohne diese Datenumwege.

Sie sollten außerdem beachten, dass einige Webseiten, die hohen Wert auf eine eindeutige Identifikation ihrer Nutzer legen (beispielsweise Online-Banking-Dienste oder Zahlungsdienstleister) VPN automatisch blockieren. Unter Umständen kann der entsprechende Betreiber Ihr Konto aus Sicherheitsgründen sogar (zeitweise) sperren, was in jedem Fall einige Nerven kostet, auch wenn meist keine weiteren negativen Folgen zu erwarten sind.

Kann man die leicht heruntergefahrene Surfgeschwindigkeit noch verschmerzen, so kann die Nutzung eines VPN allerdings auch einen großen Nachteil mit sich bringen, der den gesamten Sinn des Ganzen ad absurdum führen kann. Denn unter Umständen werden Ihre Aktivitäten aufgezeichnet und sogar an Dritte weitergereicht!

Welche Sicherheitsprobleme es bei der Nutzung von VPN gibt, erfahren Sie im folgenden Abschnitt.

Worauf Sie bei der Auswahl eines VPN achten sollten

Völlige Sicherheit Ihrer Daten und Anonymität beim Surfen sind natürlich nur gewährleistet, wenn das VPN selbst sicher und vertrauenswürdig ist. Leider gibt es aber auch sehr viele Anbieter, die gerade mit vermeintlichen Sicherheitsvorteilen locken und die Daten ihrer Nutzer leider alles andere als sicher behandeln.

Außerdem gibt es Anbieter, die von einem Land oder Gebiet aus agieren, welches per Gesetz oder Verordnung gezwungen ist, Daten aufzuzeichnen und auf Anfrage mit Regierungsbehörden zu teilen. Dieser Aspekt ist unter den Schlagworten Five-, Nine-, oder Fourteen-Eyes-Alliance bekannt geworden.

Es handelt sich dabei um Geheimdienstabkommen verschiedener Nationen, die dann auch an Daten von Nutzern gelangen, die sich mit einem VPN durch das Web bewegen. Wenn Sie Ihre Daten also auch diesbezüglich schützen wollen, so sollten Sie vor der Auswahl eines Anbieters prüfen, ob sich dessen Hauptsitz in einem Land befindet, welches einem dieser Abkommen unterliegt.

Außerdem sollten Sie bei der Auswahl eines VPN-Dienstleisters genau hinsehen und prüfen, ob er mit den Daten seiner Nutzer vertraulich umgeht. Sonst gelangen Sie beim Wechsel vom unverschlüsselten Surfen hin zur Nutzung eines VPN vom datentechnischen Regen in die Traufe. Bei der Auswahl sollten Sie vor allem auf folgende sicherheitsrelevante Merkmale achten:

WebRTC wird blockiert

Es handelt sich dabei um eine moderne Technologie, welche von vielen Internetbrowsern genutzt wird. Dabei wird die IP-Adresse systemintern aufwändig und kompliziert recherchiert, da diese für eine reibungslose Kommunikation unabdingbar ist.

Gute VPN-Anbieter sollten diesen Dienst standardmäßig blockieren, damit Ihre Daten hier nicht weitergegeben werden.

IPv6 ist deaktiviert

Neue IP-Adressen werden oft in diesem neuartigen Format generiert. Hier kann es zu einem Datenleck kommen, weshalb sichere VPN nur mit Ipv4-Formaten arbeiten sollten.

Keine Logs

Vertrauenswürdige VPN-Anbieter sollten keinerlei Aufzeichnungen über die Aktivitäten Ihrer Nutzer anfertigen. Denn wenn nichts aufgezeichnet wird, so gibt es auch nichts weiterzureichen an Behörden und es gibt nichts, was Kriminelle stehlen könnten.

DNS-Lecks verhindern

Beim Surfen werden von Ihrem Endgerät grundsätzlich sogenannte DNS-Anfragen geschickt, die bei der Verwendung eines VPN nur an den DNS-Server des jeweiligen VPN gehen sollten. Es kann jedoch vorkommen, dass diese Anfrage unbemerkt an den Server Ihres gewöhnlichen Netzanbieters gelangt. Ein sicheres VPN sollte diese Datenpanne verhindern können.

256-Bit Verschlüsselung

Um größtmögliche Sicherheit beim Surfen zu gewährleisten, sollten Sie außerdem darauf achten, dass die Daten mit einer 256-Bit-Technologie verschlüsselt werden. So sind die Daten auf der höchsten Ebene verschlüsselt.

Notausschaltung

Falls die Verbindung mit dem VPN abzureißen droht und zu schwach wird, sollten Sie automatisch vom Web getrennt werden. So werden Datenlecks verhindert.

Surfen via VPN: doch nicht völlig anonym?

Das Surfen per VPN schützt Ihre Identität sowie Ihre Daten vor Dritten und kann Sie auch vor unerwünschten und schädlichen Anwendungen schützen. Totale Anonymität gibt es allerdings nicht, selbst wenn alle oben erwähnten sicherheitsrelevanten Standards eingehalten sind.

Selbst wenn der jeweilige Anbieter den Datenschutz zusichert und keinerlei Datenspeicherung vornimmt, so werden doch in den meisten Fällen sogenannte Log-Dateien gespeichert. Das lässt sich einfach schon aus technischen Gründen kaum verhindern. Darin ist auch die Nutzer-IP enthalten.

Außerdem sollten Sie sich bewusst sein, dass Ihr Netzanbieter bei einer VPN-Nutzung keinerlei Informationen über die übermittelten Daten erhält. Was dieser jedoch weiß ist, dass Sie ein VPN nutzen.

Anonym surfen: ist das überhaupt erlaubt?

In Deutschland sowie in den meisten anderen Ländern dieser Erde ist das Herunterladen sowie die Nutzung von VPN völlig legal. Es gibt einige Nationen, wie etwa Russland oder China, die eine Nutzung von solchen Diensten untersagen, die nicht von der Regierung genehmigt worden sind. Im Irak sowie Nordkorea ist Nutzung gänzlich verboten. Andere Nationen wiederum verhindern nur die Anwendung gewisser Sicherheitsprotokolle.

Nur der Vollständigkeit halber sei hier erwähnt, dass zwar die Nutzung von VPN erlaubt ist, der Besuch von illegalen Webseiten sowie die Durchführung illegaler Handlungen via VPN selbstverständlich nicht erlaubt sind!

Wie Sie ein VPN selbst ganz einfach einrichten

Die Nutzung eines VPN funktioniert in der Regel wie die Nutzung eines herkömmlichen Computerprogramms oder einer App. Sie wählen einfach aus dem großen Angebot an VPN den für Sie passenden Anbieter aus und laden dessen Software auf Ihr Endgerät. Sie werden dabei meist sehr komfortabel durch Download und Installation geleitet, sodass nur wenig schiefgehen dürfte.

Im Anschluss an Download und Installation starten Sie Ihren VPN-Client wie ein normales Programm und sind dann mit dem jeweiligen Server verbunden. Die meisten Programme bieten intuitiv bedienbare Schaltflächen und Bars, mit denen Sie relevante Einstellungen vornehmen können.

Sobald Sie sich via Programm mit dem VPN-Server verbunden haben, können Sie ganz normal wie gewohnt durch das Web surfen. Das VPN übernimmt dabei für Sie unmerklich den Schutz.

Kostenlose vs. kostenpflichtige Anbieter

Es gibt unzählige verschiedene VPN-Anbieter auf dem Markt. Die meisten bieten dabei verschiedene Zahlungsmodelle an. Vielfach kann man eine kostenlose Probeversion nutzen oder erhält für einen begrenzten Zeitraum einen Testzugang.

Im Falle kostenpflichtiger Angebote muss die Software entweder erworben werden oder ist in einem Abonnement verfügbar. Manche Anbieter staffeln Ihre Preise anhand bestimmter Funktionen, die dann nur im Falle der teureren Abonnements zugänglich sind.

Es gibt es eine große Auswahl an völlig kostenlosen Diensten. Diese schränken allerdings ihr Leistungsspektrum ein. Meistens sind das Datenvolumen sowie die Datenübertragungsgeschwindigkeit heruntergeschraubt, ebenso die Anzahl an verfügbaren Servern. Wer nur gelegentlich im Web unterwegs ist, der wird dennoch mit den Gratis Programmen zufrieden sein.

Häufig locken allerdings unseriöse und wenig vertrauenswürdige VPN-Anbieter mit ihren Gratis Versionen. Sie sollten daher, gerade wenn Sie ein kostenloses Programm verwenden möchten, genau hinsehen. Mit unseren obigen Hinweisen, worauf Sie bei der Auswahl eines VPN-Clients achten sollten, haben Sie eine Liste mit Aspekten zur Hand, auf die Sie jeden Anbieter (egal ob kostenlos oder kostenpflichtig) genauestens prüfen sollten.

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